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Sardinien Reiseführer

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Sardinien

„In Italien gibt es nicht, was es auf Sardinien gibt und auf Sardinien nicht, was es in Italien gibt.“ So schrieb der Naturforscher und Jesuit Francesco Cetti bei einem Besuch der Insel Ende des 18. Jh. Sardinien, das bedeutet zunächst Achtung vor Traditionen, die tief in der Bevölkerung verankert sind und die noch tagtäglich gelebt werden. Das bedeutet noch ungezügelten und stolzen Widerstand gegen jedes Eindringen von aussen, als Folge eines uralten, konstanten Kampfes, um den Expansionsbestrebungen der grossen Mittelmeerreiche standzuhalten. Im Verlauf ihrer Geschichte hatten die Sarden nur sehr wenig Kontakt mit dem Meer; seine Geschichte und Tätigkeiten haben sich viel mehr im Landesinneren entwickelt, wohin sie sich zurückzogen um von den von Invasoren und Eroberern besetzten Küsten zu entkommen. Dort haben sie eine Zivilisation entwickelt, die eng mit den Bergen, den Ebenen und den Weiden verbunden ist. Die Ursprünge der sardischen Wirtschaft liegen im Hirtenwesen und in der Landwirtschaft.

Sardinien hat viel zu bieten! Die zweit grösste Insel des Mittelmeeres wird vor allem wegen der wunderschönen 1.850 km langen Küste und dem kristallklaren Meerwasser, das in allen Schattierungen von blau über türkis und smaragdgrün schimmert, besucht. In der Tat, die Gewässer um Sardinien zählen zu den saubersten im Mittelmeerraum. Doch daneben gibt es viel Geschichte zu erleben: Jahrtausendealte archäologische Stätten zeugen von der strategischen und geografischen Bedeutung Sardiniens und der Völker, die sie besiedelt haben. Von frühgeschichtlichen Felsengräbern – Domus de Janas – Nuraghenbauten, die monumentalsten Bauwerke der Antike nach den Pyramiden und auf Sardinien einzigartig – Gigantengräbern – Brunnentempeln – phönizisch-punisch-römischen Handelsstädten – frühchri-stlichen Kirchen, mittelalterlichem Reichtum und der spanischen Besetzung bis heute.
Jahrhunderte alte Traditionen, wilde unberührte Natur und intakte Landschaften sorgen in Sardinien für eine kräftige Brise Ursprünglichkeit – lassen Sie sich von dem Zauber der Insel verführen! Entdecken Sie auch das Hinterland, die Landstriche, wo Olivenbäume auf Granit wachsen und wo Langhaarschafe die Wiesen um hochgelegene Dörfer abweiden.


Sagre in Sardegna Spiaggia in Sardegna Artigianato in Sardegna


Geographische Aspekte
Sardinien liegt fast im Zentrum des Mittelmeers. Mit einer Fläche von 24‘090 km2 ist Sardinien die zweitgrösste Insel Italiens und des Mittelmeers (3 Mal so gross wie Korsika und 7 Mal so groß wie Mallorca). Die rhomboidale Form erklärt den ihr von den Griechen gegebenen Namen Ichnusa (von Icnos = Spur, Fussstapfe) und Sandaliotis (von Sandalon = Sandale). Der römische Name Sardinae soll von einem sagenhaften Sardus, Sohn von Herkules stammen. Sardus soll eine Gruppe Lybier auf die Insel geführt haben.

Sardinien hat zwar sehr viel Fläche und Landschaft, ist aber mit nur ca. 1,7 Millionen Einwohnern relativ wenig bevölkert. 17% davon, das ist das Doppelte des Europäischen Durchschnitts, sind in der Landwirtschaft und Schafzucht tätig. Es gibt auf Sardinien ungefähr doppelt soviel Schafe wie Einwohner!

Sardinien ist zum Grossteil gebirgig, das größte Berggebiet ist das Supramonte – Gennargentu Massiv im Zentrum der Insel. Der höchste Gipfel ist die Punta La Marmora mit 1‘834 m. Die Bergketten wirken, wegen den bizarren, zum Himmel aufragenden Granitfelsen, doch irgendwie mächtig. Die steil zum Meer hinab fallenden Felsen der Ost- und Südwestküste, die fruchtbaren Ebenen des Westens oder die tief eingeschnittenen Fjorde im Nordosten prägen das Bild dieser eigenwilligen Insel.

Die kurzen Flüsse verdienen eigentlich nur im Frühjahr, während der Schneeschmelze und Regenzeit ihren Namen. Nach kurzen Überschwemmungsperioden trocknen die meisten während des Sommers aus. Der größte Fluss ist der Tirso. Er entspringt in den Bergen bei Budduso und mündet nach 150 km in den Golf von Oristano. Der einzig schiffbare Fluss ist der Temo, der durch Bosa fliesst. Im Zeichen der Entsumpfung der malariaverseuchten Küstengebiete, hat man die wichtigsten von ihnen an ihren Oberläufen gestaut. So entstanden künstliche Seen wie der Lago Omedeo (am Triso), der Lago Coghinas etc. In den Flüssen und Seen fängt man Aale, Forellen und Äschen.

Die Schafzucht sowie auch der Bergbau haben auf Sardinien eine lange Tradition.

Gewonnen werden u.a. Kohle, Eisen, Blei, Zink, Kupfer und Silber. In den letzten Jahren entstanden Blei- und Zinkhütten, Ölraffinerien sowie Werke der Chemie- und Textilindustrie. In der Gallura, im Nordosten Sardiniens, gibt es viele Granitsteinbrüche und auch die Korkverarbeitung sind ein Wirtschaftszweig. Ein weiteres Ausfuhrprodukt ist Meersalz aus den Salinen von Cagliari und Carloforte. Auch für den Wein- und Olivenanbau sowie für die Herstellung von Wein und Olivenöl ist Sardinien bekannt. Sardinien besitzt etwa 64‘000 ha Waldgebiet, dessen ausgedehnte Korkeichenbestände eine Grundlage der einheimischen Industrie bilden. Sardinien war lange Zeit führend in der europäischen Korkproduktion, bis es von Portugal abgelöst wurde.




Geschichte
Um Sardinien und die Sarden besser zu verstehen, gewähren Sie sich hier einen kurzen Einblick in die Geschichte Sardiniens. Sardinien hat nie Geschichte gemacht, sondern sie immer nur ertragen. Einige Teile Sardiniens sind geologisch gesehen 600 Millionen Jahre alt und die Insel befindet sich seit ca. 65 Millionen Jahren in seiner heutigen Position. Es gehört zu den ältesten Erdteilen Europas und ist seit dem Neusteinzeitalter bewohnt, d.h. seit ungefähr 10.000–8.000 Jahren.

Die Sarden der Vorgeschichte wohnten in Dörfern mit Hütten oder Pfahlbauten, in Höhlen an den Küstenseen oder in megalitischen Befestigungswerken (Nuraghen). Ihre Religion bestand aus den Symbolen des Lebens und der Fruchtbarkeit. Sie beteten die Muttergöttin und den Stiergott an, betrieben den Kult der Toten, welche sie in kleinen, in den Fels gegrabenen Grotten bestatten. Später wurden diese Grotten „Domus de Janas“ genannt, d.h. Häuser der Feen. Im 2. Jahrtausend vor Christus kamen andere Völker des Ostens auf Sardinien an, verteilten sich auf das gesamte Inselgebiet und bauten im megalitischen Stil, d.h. mit enormen Steinblöcken, auf den erhobenen Stellen, auf den Vorgebirgen oder an den Tal Enden. Von dieser Nuragenkultur zählen wir heute noch 7000 Ruinen auf der Insel. Die Nuraghen Menschen betrieben mit ihrem “Brunnentempel“ (POZZO SACRO) den Kult des Quellwassers und verehrten ihre Vorfahren in den “Riesegräbern“ (tombe dei giganti), indem sie davor das Beerdigungsritual abhielten und sie später dort begruben.

Sito archeologico
Monumenti storici


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